Wenn ein Windows-Rechner die Beine streckt, verabschiedet er sich gerne mit einem Bluescreen. Der Bildschirm wird dann blau und zeigt eine Fehlermeldung in weißer Schrift. Hier soll kurz erklärt werden, warum diese „letzten Fehlermeldungen“ bei Systemabstürzen ausgerechnet in Blau daherkommen.
Dave Plummer recherchierte die Antwort
Auch der im Ruhestand befindliche Windows-Betriebssystementwickler Dave Plummer wollte das wissen und ging auf seinem Youtube-Kanal auf Spurensuche. Auch seine Frage lautet: Wo kommen die omnipräsenten Bluescreens her und warum sind sie eigentlich blau?
Dabei geht Plummer auch etwas auf die Geschichte der bei Microsoft intern Bug-Checks genannten Fehler-Bildschirme ein und zeigt auch einige interessante Events, bei denen sich Microsoft selbst auf der Bühne durch Bluescreens blamierte.
Die Farbe stammt von den Entwicklertools
Plummer zufolge geht die Entstehung der klassischen Bluescreens auf den Softwareentwickler John Vert zurück, der seit Windows NT 3.1 für die Implementierung verantwortlich war.
Die Farbgebung hatte dabei einen recht einfachen Grund: Auf Verts damaligem Entwicklungsrechner, einer Mips Risc Box, wurde die Firmware in weißer Schrift auf blauem Hintergrund angezeigt.
Damals habe es einfach Sinn gemacht, für den besseren Wiedererkennungswert ein ähnliches Farbschema zu benutzen. Hinzu kam noch, dass Vert und viele seiner damaligen Teammitglieder am liebsten den Texteditor Slickedit nutzten – und dessen Farbschema bestand ebenfalls aus weißer Schrift vor blauem Hintergrund.
Bill Gates erzeugte Bluescreen auf der Bühne
In seinem YouTube-Video zeigt Plummer außerdem den vermutlich bekanntesten Bluescreen: Bei einer Live-Vorführung von Windows 98 stürzte das Betriebssystem mit einem Bug Check ab, was ein schallendes Gelächter aus dem Publikum erzeugte. Auch Bill Gates, der persönlich mit auf der Bühne stand, konnte über den Vorfall nur schmunzeln.
Später sollte dort auch noch eine Demo von Forza gezeigt werden. Stattdessen gab es aber wohl wieder einen Bluescreen. Das lag damals schlicht daran, dass im Code der Spielbeta Memory-Leaks steckten, die nach mehreren Testläufen dann einen Fehler erzeugten.
Heute sind Bluescreens laut Plummer nur noch selten zu sehen, weil schlecht programmierte Systemtreiber von Geräten und Hardwarekomponenten wie zum Beispiel Soundkarten, Grafikkarten, Netzwerkkarten oder Eingabegeräten meist nicht mehr im Kernel-Modus laufen.
Die heutigen Betriebssysteme wie Windows 10 versuchen, wenn möglich, solche Software im User-Modus parallel mit anderen Programmen laufen zu lassen.
Deshalb stürzt heutzutage auch nur der Treiber selbst als einzelner Task ab, aber nicht mehr das gesamte Betriebssystem. Das war allerdings zu Zeiten von Windows 95, 98 und NT noch nicht so.